Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — Mai 26, 2017 @ 11:33

Ein Abend in der Provence*

Mit metallenem Himmelblau
schleicht leis sich in den Tag der Abend
und lässt ihn ruhig ausklingen bis zur Nacht.

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — Mai 23, 2017 @ 8:50

Provence*

Täglich wechselnder Metallglanz
am Westhimmel in der Provence.
Wie viele Winde kannte denn der Daudet?

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Allgemein — Mai 19, 2017 @ 11:04

Pausierungen

Die kommende Zeit mag noch etwas mehr durch Pausen durchlöchert sein als sonst. Entschuldigung!

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — Mai 18, 2017 @ 6:48

Patriotismus

Die Patriotisten
sprechen offen sich aus
für Remigration
in ruhigem Ton.

Wissen die denn,
wie die Weißen in
Amerika und Australien
zum Beispiel
fürchten,
dass die Ureinwohner dort
diese Forderung
zu übernehmen
bereit sein könnten?

Gespeichert unter: Janka-Sammlung, Neue Maier-Lyrik — Mai 16, 2017 @ 5:05

Fuchs und Rabe*

Fuchs und Rabe, wie fabelhaft?
Was lernen wir von dieser Fabel?
Keines von beiden würde ich sehr loben.

Auf Dauer hilft weder Schlauheit noch Dummheit.
America first – kein Gewinn für das Land!

*ein Janka

Gespeichert unter: Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — Mai 12, 2017 @ 1:06

Eingebettet

Eingebettet bin ich
in Geschichte und Zukunft.
Jetzt gerade blitzt ein Licht auf,
wiedergegeben von einem Kratzer
in meiner ansonsten glatten Bergkristall-Fläche.
Es kommt von weit her
und macht Farbe aus Weiß.

Wie viele gingen mir voran
und wie viele mögen mir folgen.
Wie viele Worte aus vergangenen Zeiten,
aufgesogen habe ich sie.
Worte gebe ich weiter.
Vielleicht ja
fallen einige davon
auch auf fruchtbaren Boden.

Eingebettet bin ich
ins Nehmen und Geben,
ins Empfangen und Zeugen,
ins vergangene Leben
und vielleicht noch in zukünftiges.
Und welche Spuren
von mir noch bleiben,
eigentlich wäre es gleichgültig geradezu,
wäre es nicht gesegnet
von der Mutter des Seins.

Gespeichert unter: Allgemein, Bekenntnisse, Neue Maier-Lyrik — Mai 9, 2017 @ 12:41

Heute ist der Geburtstag von Sophie Scholl

Der Geburtstag von Sophie Scholl heute sollte uns ein Hoffnungszeichen dafür sein, dass nicht das Immer-mehr an Bedeutung nationalen oder kapitalistischen Machtstrebens die Oberhand gewinnen darf - und wird, sondern ein gerechtes System von Geben und Nehmen seinen Platz findet.

Der Frühling zeigt es uns doch eigentlich: So wunderbar ist das Wachsen und Gedeihen, das nicht auf Unendlichkeit angelegt ist, sondern auf einem wundersamen Kreislauf beruht, der Glück bringt, aber nicht die Überwucherung von allem.

Sophie Scholl hat ihr Leben allerdings viel zu früh aufgeben müssen. Sie wäre heute 96 Jahre alt geworden. Das läge ja immer noch im Bereich des Möglichen.

Lasst mich dem ein paar Zeilen anfügen:

Die Weiße Rose trägt die Hoffnung in die Welt:
Nicht Volk und Rasse macht den Wert,
nicht Eitelkeit und Dünkel, nicht das große Geld.
Das Wachsen und Gedeihen im rechten Maße sei geehrt!

Gespeichert unter: Allgemein — Mai 8, 2017 @ 4:16

Ich melde mich (so halb) zurück

Ich war jetzt eine Woche lang in einem Haus ohne WLAN. Das hat ganz gut getan. Ich grüße alle, die mich vermisst haben sollten.

Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — April 26, 2017 @ 10:24

Kunst und Glück

Die Menschen, sie verzückt Musik.
Sie spüren Glück, wenn sie ertönt.
Doch wenn das Ohr, geöffnet für das Glück,
erschlafft, weil es an sie sich hat gewöhnt?

Der Dichter braucht den Klang der Worte:
erlauscht er ihn, kommt die Musik in seinen Sinn
und öffnet wieder jene Pforte,
die ihn hinführt zum Glücksgewinn.

Die Malerin verteilt der Farben Glanz
lässt sie den Reigen größter Freude tanzen
und die Musik erklingt im Ganzen,
allen steht vor den Augen nun des Glückes Tanz.

So hat ein jedes seine Gabe,
wie es das Glück bescheret seinen Lieben.
Und wenn ich solche Gabe habe,
kann ich nicht anders als sie üben!

Gespeichert unter: Allgemein — April 23, 2017 @ 7:30

Die angemessene Temperatur - ein philosophischer Mini-Essay

Außer bei der Bezeichnung für das Fieber braucht der Begriff „Temperatur“ eine nähere Bestimmung - zum Beispiel durch ein Adjektiv – um zu verdeutlichen, ob er für Kälte oder für Wärme steht: etwa „eisige Temperatur“ oder „sommerliche Temperatur“.

Schon Wärme und Kälte sind sehr abstrakte Begriffe. Was die eine als warm empfindet, kann für den anderen schon als kalt gelten. Allerdings geben sie als Polarisierungen schon deutliche Klarheit über den Charakter des Zustands, um den es sich handelt.

Temperatur dagegen - wie gesagt: außer bei der Bezeichnung fürs Fieber - ist so abstrakt, dass weder kalt noch warm als eindeutig gemeint damit bezeichnet werden kann. Das lässt einen ungeahnten Verzicht auf eine Festlegung zu. Der Begriff ist so neutral, dass ein tosendes Feuer und eine tödliche Erstarrung in eisiger Kälte beide darunter gefasst werden können.

Ist Temperatur nicht ein großartiges Beispiel dafür, wie weit die Wissenschaft davon entfernt ist, Polarisierungen zu fassen? Beziehungsweise lässt sie uns erahnen, wie unwissenschaftlich Polarisierungen sind. Die Frage, wie wir in unserem Denken der Wahrheit näher kommen können, ist neu gestellt: Ist gut und böse überhaupt noch eine Kategorie oder ist das Festhalten an einer derartigen Polarisierung nicht ein unwissenschaftliches, also letztlich nicht mehr vertretbares, in mythologischen Vorstellungen behaftetes Vorurteil?

Kann dagegen Wissenschaftlichkeit nicht uralte Überzeugungen, die unseren aktuellen Werten zugrunde liegen, nicht vorschnell auf den Kehrichthaufen der Geschichte werfen?

„Ich habe Temperatur.“ Diese Feststellung, rechtzeitig gemacht, bevor das Fieber weiter ansteigt und solange noch etwas dagegen unternommen werden kann, mag lebenrettend sein. Allerdings verzichten wir dabei auf das Abstraktum einer Temperatur, die nur in Wärmegraden noch einigermaßen gefasst werden kann.