Gespeichert unter: Neue Maier-Lyrik — September 24, 2016 @ 6:14

Der Herbst

Sollte ich nicht loben
die Zeit der Früchte,
die Zeit des Genusses?
Einsammeln macht aber auch
merkwürdige Mühe.
In die Scheune gebracht
muss alles werden
zur rechten Zeit.
Und dort muss es bleiben,
damit in kärgerer Zeit
die Not nicht wächst
statt der Saat.
Und der erste Frost:
kündigt er nicht schon an,
dass es heißt,
es ist nicht mehr genug,
um davon zu leben?

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler — September 20, 2016 @ 6:04

Der Glanz

Den Glanz des Sommers.
Sie haben ihn gespeichert,
die Silberblätter.

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Gespeichert unter: Janka-Sammlung, Neue Maier-Lyrik — September 18, 2016 @ 1:23

Risikobereitschaft?*

Wollen wohl Konservative
heutzutage lieber Risiken
anstatt wie früher etwas zu bewahren?

Eine Risikoabschätzung
wäre da wohl das Wenigste.

*ein Janka

Gespeichert unter: Allgemein — September 18, 2016 @ 1:02

Frühherbst

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Wirft die Sonne noch genügend Schatten diesen Herbst? ;-)

Gespeichert unter: Allgemein — September 18, 2016 @ 12:42

Aphorismus 13/16

Europa befindet sich zur Zeit wohl - wie immer? - zwischen Stillstand und still standing.

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — September 15, 2016 @ 1:21

Auf dem abgemähten Grundstück*

Die Kohlmeisen vergnügen sich
sozusagen beim Ährenlesen.
Bauernmäßig scheucht die Amsel sie kurz auf.

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — September 13, 2016 @ 1:39

Spät im Sommer*

Wenn sich die Leichenblässe schon
über Hortensienblüten breitet,
dann ist des Sommers Ende auch nicht mehr fern.

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Aphorismen — September 11, 2016 @ 2:32

Aphorismus 12/16

„Völkisch“ ist der klassische Begriff für die Vorliebe fürs Provinzielle im schlechtesten Sinn: Nichts anderes will ich gelten lassen, als was ich kenne und liebe, weil ich’s nicht anders kenne.

Gespeichert unter: Deutsche Dreizeiler, Neue Maier-Lyrik — September 10, 2016 @ 5:47

Ein neuer Achtundzwanziger

Erklärungsversuch*

Eine Angstmacherpolitik,
können wir uns dabei noch wundern,
wenn Menschen aus Angst irrational wählen?

*ein Achtundzwanziger

Gespeichert unter: Allgemein — September 9, 2016 @ 4:07

Lessing als Nachhilfelehrer für wirkliche Demokratie

Aus Lessings Ringparabel:

„Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe jeder von euch um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring’ an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf’!“

Diese Worte sollten den jeweils gleichen Rang der Religionen verdeutlichen – versinnbildlicht durch die Ringe. Wie wäre es, wenn die Zukunft der Demokratie erforderte, dass sich Parteien mit ihren unterschiedlichen Weltanschauungen einer vergleichbaren Überprüfung unterziehen müssten? Gewiss, die Vokabel „Gott“ müsste dazu in einer säkularen Gesellschaft etwa durch „humanistische Grundüberzeugung“ ersetzt werden. Auf „humanistisch“ oder Gleichwertiges müsste man sich dabei versteifen; denn menschenfeindlicher Rassismus wäre durch Lessings Sicht gewiss ausgeschlossen. Die AfD müsste also zu beweisen suchen, dass ihre Werte nicht auf deutschstämmige Menschen oder sonst eine Einzelgruppierung einer Gesellschaftsschicht allein zugeschnitten, sondern auf alle Menschen anwendbar wären. Die anderen Parteien natürlich auch. Eine derart ausgerichtete Meinungsbildung und von ihr getragene Politik könnte der Demokratie eine ganz neue Strahlkraft verleihen. Nicht die Macht des Stärkeren, nicht einmal die Stärke einer Mehrheit wäre dann für demokratische Entscheidungen ausschlaggebend, sondern der Nachweis einer Beschlussfassung im Sinne einer „von Vorurteilen freien Liebe“. Lessing könnte dazu Nachhilfe geben – so wie er es bei der Einschätzung von Religionen auch noch heute tun muss.